TuS-Versammlung versagt Vorstandssprecher Sonderrolle
Von Mike Röser
Lingen.-Der Brisanz der nächsten zwei Stunden schien sich Jupp Reisloh bewusst, als er zu Beginn der außerordentlichen Generalversammlung das Wort an die Mitglieder des TuS Lingen richtete. „Als ruhiger Turm in der Brandung stehe ich heute vor euch und verspreche, dass es beim TuS Lingen auch bald wieder ruhigeres Fahrwasser geben wird“, sagte er und bemühte ein Bild aus der Fußballsprache als Motto für die Versammlung: „Den Ball schön flach halten.“
Die 65 anwesenden Mitglieder mühten sich, dem bei ihnen angesehenen Schatzmeister zu folgen. Ohne kritische Nachfragen wollten sie jedoch eine Satzungsänderung und die Neuwahl eines Vorstandsmitglieds (Siggi Lüpken wurde einstimmig zum Sportlichen Leiter Senioren bestimmt) nicht absegnen, nachdem sich die Ereignisse in den vergangenen Wochen beim TuS überschlagen hatten (Rücktritte von Vorstandsmitgliedern, Trainerentlassung und -rücktritt, Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft und das Hauptzollamt Osnabrück wegen des Anfangsverdachts des Vorenthaltens von Arbeitsentgelt zur gesetzlichen Sozialversicherung).
So setzte die Versammlung durch, dass der Satzungsänderungsvorschlag des Vorstandes in einem Punkt verändert wurde: Ursprünglich sollte bei Stimmengleichheit im von fünf auf drei Mitgliedern verkleinerten Vorstand „die Stimme des Sprechers bzw. des die Sitzung leitenden Vorstandes den Ausschlag“ geben (wenn nur zwei Vorstände anwesend sind). Die Vereinsmitglieder sträubten sich gegen die Sonderstellung des Vorstandssprechers und bestimmten, dass fortan stets eine Mehrheit notwendig ist für Vorstandsbeschlüsse.
Kritik aus der Versammlung musste sich zudem Reinhard Klus stellen, dem Reisloh noch vor der Abstimmung über die Satzungsänderung als „designierten Sprecher“ das Wort übergeben hatte. So wurde Klus gefragt, ob er noch vertretungsberechtigt wäre, da er doch zurückgetreten sei. Klus antwortete: „Ich bin nicht zurückgetreten, sondern habe mitgeteilt, dass ich mit diesen Leuten nicht mehr zusammenarbeiten werde.“
Gemeint waren die mittlerweile zurückgetretenen Vorstandsmitglieder Georg Brümmer und Jürgen Wojtynek. In einer E-Mail vom 29. September, die der Emslandsport-Redaktion vorliegt, hat Klus Folgendes an Brümmer geschrieben: „Ich möchte aber die Vorkommnisse [...] zum Anlass nehmen und die Zusammenarbeit mit euch beenden. [...] Da ihr nicht willens oder in der Lage seid, den Verein in ein ruhiges Fahrwasser zu bringen, setze ich durch meinen Rückzug ein entsprechendes Zeichen. Die von mir betreuten Aufgaben werde ich in den nächsten Tagen ordentlich beenden.“
Den Vereinsmitgliedern versicherte Klus, dass er zu „1000 Prozent“ sicher sei, dass an den Vorwürfen gegen den Verein nichts dran sei. Der ehemalige Vorsitzende Gregor Menger (der nicht anwesend war, sich via Bericht im „TuS-Journal“ an die Mitglieder richtete) schwöre laut Klus zudem jeden Eid, dass er kein Geld an Wojtynek übergeben habe.
Klus: „Ich gehe davon aus, dass wir mit einer weißen Weste aus der Sache herauskommen.“ Es sei an der Zeit, ein neues Wir-Gefühl im Verein zu entfachen, engere Kontakte mit Politik, Wirtschaft und Medien zu knüpfen. „Wir wollen mal sehen, ob wir in ein, zwei Jahren nicht einen anderen TuS haben.“ Als Klus geendet hatte, schallte ein „Gut, Reinhard“ durch den Saal – und es gab Applaus.
Quelle: Emslandsport
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