Wietmarscher Dusel in der Nachspielzeit
Wietmarscher Dusel in der Nachspielzeit
3:3 in Emlichheim
Fußball-Kreisligist SV Wietmarschen hat gestern Nachmittag ein verloren geglaubtes Spiel doch noch aus dem Feuer gerissen: In Unterzahl schaffte die Mannschaft von Spielertrainer Gert Goolkate bei Tabellenführer Union Emlichheim in der Nachspielzeit den glücklichen 3:3 (0:0)-Ausgleichstreffer.
Von Lars Klukkert – Emlichheim. „Ich ziehe den Hut vor der kämpferischen Leistung meiner Mannschaft. Damit habe ich nicht mehr gerechnet“, freute sich Goolkate, als Mittelfeldspieler Henning Rosen aus dem Gewühl heraus in der 93. Minute zum 3:3 einschob. Mit zwei Toren lagen die Gäste aus Wietmarschen in Rückstand – bis zur 88. Minute.
André Stroeve, Emlichheims Torschütze zum zwischenzeitlichen 2:1 für die Platzherren, schüttelte nach der Partie nur mit dem Kopf. „So kann es im Fußball laufen. Trotzdem: Den Ausgleich dürfen wir auf keinen Fall mehr kassieren“, fühlte sich Stroeve an die Bundesliga-Partie von Werder Bremen gegen Borussia Dortmund (3:3), die er sich am Vortag im Weserstadion angeschaut hatte, zurückerinnert. Auch die Bremer mussten bekanntlich in der Nachspielzeit den Ausgleich hinnehmen.
Und wie in Bremen warteten die Zuschauer auch in Emlichheim in der ersten Halbzeit vergeblich auf Tore. Die Gäste aus Wietmarschen waren von Goolkate, der selbst anstatt in vorderster Front im linken Mittelfeld auflief und dadurch kaum Torgefahr ausstrahlte, defensiv eingestellt. „In dieser Konstellation hatte ich den SVW nicht erwartet“, wunderte sich Emlichheims holländischer Trainer Edward Sabander, der aufgrund eines Muskelfaserrisses nicht mit von der Partie sein konnte. Doch die Rechnung von Goolkate ging auf. „Wir haben kaum etwas anbrennen lassen und uns auf die Defensive konzentriert“, meinte der ehemalige Eintracht-Spieler, dessen Mannschaft zurückhaltend und auf Konter lauernd agierte. Und wenn Union Emlichheim gefährlich vor dem Wietmarscher Tor aufkreuzte, dann parierte Schlussmann Thomas Stegemann glänzend (23., 41.).
In der zweiten Halbzeit machte das Spitzenspiel seinem Namen alle Ehre: Sechs Tore, eine rote Karte und Spannung und Dramatik bis zum Schluss. In der 55. Minute verpasste Wietmarschens Manndecker Jürgen Heilker Emlichheims Torjäger Christian Schonhoff im Strafraum einen Schlag – Schiedsrichter Lienhard Mensen zeigte Heilker sofort die Rote Karte und entschied zudem auf Strafstoß. Den fälligen Elfmeter verwandelte Marc Kremer sicher zum 1:0 für den Tabellenführer.
Wer nun dachte, dass der SV Wietmarschen endgültig auf die Verliererstraße kommen würde, sah sich getäuscht. Mehr noch: Der SVW fand immer besser in die Partie und hielt mit großem kämpferischen Einsatz das Spitzenspiel offen. Der verdiente Ausgleich war der Lohn: Nach einem Foul von Stroeve an Holger Frimming glich Ralf Heilemann vom Elfmeterpunkt zum 1:1 aus (65.). In der Folgezeit neutralisierten sich beide Teams weitestgehend. Doch dann kam es Schlag auf Schlag: Stroeve und Meppelink ließen den Emlichheimer Anhang zweimal jubeln (82., 87.). Doch damit nicht genug: Der SV Wietmarschen bewies große Moral – trotz Unterzahl schlugen die Gäste zurück. Heilemann drosch den Ball von halbrechter Position unhaltbar für Union-Torwart Daniel Kempelmann zum 2:3 ins Tor und in der Nachspielzeit glich Henning Rosen aus dem Gewühl heraus zum 3:3 aus. „Wir haben zwar viel Dusel gehabt, doch auch viel Ehrgeiz gezeigt und sind verdient belohnt worden“, sagte Heilemann. Im Gegensatz zum Bundesligaspiel jubelten dieses Mal die Fußballer im grün-weißen Trikot.
Union Emlichheim: Kempelmann – Hütten – Bußmann, Stroeve – Jeurink (85. Koenders), Kremer, Ratzer (90. Batterink), A. Kerperin (73. Koopsingraven) – Brill, Meppelink – Schonhoff.
SV Wietmarschen: Stegemann – F. Rosen – Heilker, Bosch – H. Rosen, Groven, Frimming, Goolkate (80. Lühn), Hangbers (71. Gravelmann) – Brink, Heilemann.
Tore: 1:0 Kremer (56./Foulelfmeter), 1:1 Heilemann (65./Foulelfmeter), 2:1 Stroeve (82.), 3:1 Meppelink (87.), 3:2 Heilemann (88.), 3:3 H. Rosen (90.+3).
Schiedsrichter: Mensen (Brandlecht-Hestrup).
Rote Karte: Heilker (55./Wietmarschen) wegen Schlagens.
Quelle: Grafschafter Nachrichten
Eingestellt von Rene Werner
eMail an den Verfasser | Alle eingestellten Artikel von Rene Werner




